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GestHirne über Franken

Leitfossilien fränkischer Astronomie

Anlässlich des Simon-Marius-Jubiläums 2014 richtet sich der Blick der „Leitfossilien“-Reihe am Bildungscampus Nürnberg in diesem Jahr auf Franken. Das Gebiet, das heutzutage die Metropolregion Nürnberg umfasst, war mehrfach mit der Weltgeschichte der Astronomie verknüpft: Da war Regiomontanus aus Königsberg, dessen Ephemeriden sogar bei der Entdeckung Amerika behilflich waren, und Nicolaus Copernicus, dessen bahnbrechendes Werk über den Heliozentrismus unterhalb der Nürnberger Kaiserburg erschien. Der Bamberger Christoph Clavius dominierte die Mathematik eines ganzen Jahrhunderts und Simon Marius gehörte zu den wenigen Forschern weltweit, die mit dem eben erfundenen Teleskop sensationelle Entdeckungen am Himmel machten, die zum Einsturz eines 2000 Jahre alten Weltbildes beitrugen. Im 17. Jahrhundert gründete Georg Christoph Eimmart auf der Nürnberger Burg die erste Volkssternwarte Europas.

Mittwoch, 15.10.2014, 19:00 – 20:30 Uhr

Johannes Regiomontanus und der Renaissance-Humanismus

Prof. Dr. Fritz Krafft, Weimar

Der Vortrag stellt Johannes Regiomontanus im Kontext des Renaissance-Humanismus vor und erläutert, wie das mathematisch-astronomische Wissen der Antike nach Nordeuropa kam und von Nürnberg aus zu seiner Erneuerung und einem neuen Weltbild führte.

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Mittwoch, 22.10.2014, 19:00 – 20:30 Uhr

Johannes Schöner und die Globenherstellung im 16. Jahrhundert

Dr. Thomas Eser, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Als Pfarrer und Verleger, Astronom und Mathematiklehrer war Johannes Schöner (1477-1547) unter den Kartografen des frühen 16. Jahrhunderts eine ebenso schillernde wie produktive Figur. Als erster Kartograf stellte er in Serie Globen unterschiedlichster Größe und Qualität her, die in humanistischen
Kreisen große Wertschätzung erfuhren. Schöner hatte sich auch eine eigene Sammlung fremder Weltkarten zugelegt. Sie zählt heute zu den Besuchermagneten der National Library in Washington.

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Mittwoch, 29.10.2014, 19:00 – 20:30 Uhr

Nicolaus Copernicus – die Möglichkeit des Heliozentrismus

Dr. Jürgen Hamel, Archenhold-Sternwarte Berlin

Dass sich die Erde um die eigene Achse dreht und eine Bahn um die Sonne beschreibt ist heute Teil der Allgemeinbildung. Doch merken wir etwas davon? Hingegen beschreibt das geozentrische Weltsystem die gesamte Erfahrungswelt der Wissenschaften und des Alltags aus Jahrhunderten und Jahrtausenden. Es war ein geniales Wissenschaftssystem und die ihr zugrunde liegende aristotelische Physik eine bewundernswerte Theorie. Und auch die Bibel hieß die Erde stillzustehen. So schien das copernicanische System einer zentralen Stellung der Sonne eher nur eine mathematische Möglichkeit zu sein. Doch es entstanden Zweifel, die langsam durch die Wissenschaftler und die Theologen zu neuer Gewissheit erhoben werden konnte - die Erde bewegt sich. So wurde aus der Möglichkeit Wirklichkeit. Copernicus stand ganz am Anfang einer langen Entwicklung.

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Mittwoch, 12.11.2014, 19:00 – 20:30 Uhr

Christoph Clavius – pädagogischer Reformer und Propagandist des Gregorianischen Kalenders

Thony Christie, Erlangen

Als der Bamberger Jesuit Christoph Clavius am 6. Februar 1612 starb, war er in ganz Europa als der leitende Mathematiker und Astronom seiner Zeit angesehen und dies zu einer Zeit als Johannes Kepler und Galileo Galilei, ein Verehrer von Clavius, ihre größten Leistungen erbracht haben. Heute sind beide – Kepler und Galilei – Giganten der Wissenschaftsgeschichte während Clavius fast komplett vergessen ist. Wenn sein Name doch bekannt ist, dann nur in Verbindung mit der Kalenderreform von 1582.
Der Vortrag erläutert Clavius’ Leben und Werk und erklärt, warum er so hoch angesehen war und auch warum er in Vergessenheit geraten ist. Auch seine oft missverstandene Rolle in der gregorianischen Kalenderreform wird hier ausführlich erklärt.

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Mittwoch, 19.11.2014, 19:00 – 20:30 Uhr

Simon Marius – Entdecker der Jupitermonde?

Pierre Leich, Nürnberg

Vor vierhundert Jahren veröffentlichte der markgräfliche Hofastronom Simon Marius (1573–1624) seine teleskopischen Beobachtungen im „Mundus Iovialis“. Da Galilei bereits vier Jahre zuvor über Mondgebirge, Jupitermonde und Venusphasen berichtet hatte, bezichtigte er Marius als Plagiator, der nur von ihm abgeschrieben habe. Dies blieb für 280 Jahre eine offene Frage.
Der Vortrag stellt die Entdeckungen von Marius und Galilei in den astronomie­historischen Kontext und verdeutlicht, welche Rolle die neuen Befunde für die Frage des richtigen Weltbildes spielten und warum beide so unterschiedliche Schlüsse zogen. Abschließend wird beantwortet, ob Marius ein selbstständiger Forscher war.

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Mittwoch, 26.11.2014, 19:00 – 20:30 Uhr

Georg Christoph Eimmart und seine Schüler

OStR Dr. Hans Gaab, Fürth

1678 gründete Georg Christoph Eimmart (1638-1705) auf der Vestnertorbastei nördlich der Burg die erste Nürnberger Sternwarte, die bis 1751 Bestand hatte. Um 1700 war sie für einige Jahre die bedeutendste Sternwarte Deutschlands. Wichtig war sie vor allem als Ausbildungsstätte für künftige Astronomen und Geographen. Dem soll im Vortrag an Hand einiger ausgewählter Personen nachgegangen werden.

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Veranstalter: Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg, Fachteam Planetarium
Einschreibung Reihe 33/24 € (BZ-Kurs-Nr. 00 910), Einzelkarte vor Ort je 7/5 €
Ort: Nicolaus-Copernicus-Planetarium
Am Plärrer 41, Nürnberg
Konzeption: Cauchy-Forum-Nürnberg e.V.
Interdisziplinäres Forum für Mathematik und ihre Grenzgebiete
Pierre Leich, Günter Löffladt und Dr. Klaus Herzig
Veröffentlichte Dateien: Auszug aus dem Planetariumsprogramm
Programmflyer